Iselin - Schule Rosenfeld

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(November 2016)

1. Welche pädagogischen Ideen treiben uns Lehrkräfte an?
Getreu dem ersten Punkt unseres Leitbilds „An unserer Schule ist jedes Kind herzlich willkommen, das Kind steht im Mittelpunkt“ geht es uns zuerst und vor allem darum, dass sich jedes Kind an unserer Schule wohl fühlt und so angenommen wird, wie es ist. Deshalb heißen wir jedes Kind mit all seinen besonderen Stärken und Schwächen willkommen und schätzen es. Die daraus entstehende Vielfalt dieser Persönlichkeiten bildet die Grundlage unserer pädagogischen Arbeit und unserer Konzeption von Unterricht. 
Wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind lernen will, wenn es genügend Zeit zum Lernen bekommt und die Aufgaben seinem Leistungsvermögen entsprechen. Ziel unserer täglichen Arbeit ist es, die Kinder auf das selbstständige und selbstverantwortliche Leben in der Gemeinschaft vorzubereiten. Deshalb wollen wir sowohl zur Entwicklung des Lernvermögens, aber auch zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen.
Genauso wichtig wie die Wissensvermittlung sind uns auch andere Bereiche. Die Förderung von Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und sozialen Verhaltensweisen ist ebenso bedeutend wie die Förderung von Kreativität und Fantasie, sowie die Entwicklung von persönlichen Interessen und Fähigkeiten. 
Im Wissen, dass die Begeisterung der Kinder ein wesentlicher Motor für gelingendes Lernen ist, ist es unser Anspruch, ihre Lebenswelt und Interessen in den Unterricht einzubeziehen. So bieten wir beispielsweise Wahlmöglichkeiten bei den Sachkunde-Themen an und lassen die Schüler ihre Projektthemen in der Projektwoche unter einem vorgegebenen Oberthema weitestgehend selbstständig bestimmen.
Uns ist bewusst, dass eine friedvolle Atmosphäre die Voraussetzung für störungsfreies Lernen ist. Deshalb ist uns ein achtungsvoller Umgang in den Klassen und im Schulhaus wichtig.
Wir sehen Fehler als notwendige Zwischenschritte, um Dinge zu begreifen und lösen zu können. Fehler sind Hinweise auf andere Denk- und Handlungsmuster. Sie geben Anlass für den Austausch mit Mitschülern und der Lehrkraft. Nur wenn Kinder sich in ihrem Selbstwertgefühl geachtet und sich in einem Team anerkannt fühlen, können sie sich zu einer selbstständig denkenden, aktiven und kooperativen Persönlichkeit entwickeln.
Unsere Aufgabe sehen wir darin, die Kinder sowohl bei ihrer Entwicklung zur Persönlichkeit, als auch beim Lernen zu unterstützen und zu ermutigen. Dabei wollen wir sie durchaus herausfordern, ihre persönlichen Leistungsgrenzen zu erreichen und wenn möglich auch zu überwinden. Deshalb müssen wir die Aufgaben so wählen, dass sie eine hohe Anforderung an das Kind stellen, aber trotzdem vom Kind mit seinen Fähigkeiten gelöst werden können. Wir wollen die Kinder also gleichermaßen fördern und fordern.

2. Wie organisieren wir das Lernen?
Unser Schulvormittag gliedert sich in drei Blöcke. Jedes Kind arbeitet täglich während des ersten Blocks selbstständig an seinem Arbeitsplan, der sich aus Deutsch- und Mathematikinhalten zusammensetzt. Die Inhalte sind nach Kompetenzen sortiert und stehen in Regalen für die Schüler bereit. Im Fach Deutsch arbeiten sie zusätzlich mit Arbeitsheften. Der Arbeitsplan dient als Orientierungshilfe für die Kinder. Er gibt ihnen den Rahmen für ihr wöchentliches Arbeitspensum vor. Schon Geleistetes wird im Lerntagebuch eingetragen. Außerdem enthält dieses Platz für die eigene Reflexion über die Arbeitsweise.
Wir bevorzugen diese Arbeitsform, weil wir wissen, dass jedes Kind seine eigenen Vorkenntnisse und vorhandenen Fähigkeiten mitbringt. Deshalb gestalten wir die Arbeitspläne nur im Groben für alle Schüler gleich. Wir differenzieren, in dem wir Schwerpunkte legen und verschiedene Lernniveaus anbieten. Im Wissen um die verschiedenen Lerntypen bieten wir andere Zugangsweisen an. So berücksichtigen wir das Lerntempo jedes Kindes und lassen ihm möglichst viel Raum, um handelnd zu lernen.
Ein wichtiger Aspekt dieser Arbeitsweise ist, dass die Kinder lernen sich gegenseitig zu helfen. Zum einen stärkt es die Sozialkompetenz und desweiteren wird beim Erklären der Lernstoff wiederholt und neu durchdacht. Außerdem muss der Lösungsweg versprachlicht werden, was für Grundschüler eine hohe Anforderung darstellt.
Nach diesem ersten Block, in dem aufgrund der starken Differenzierung häufig individuell gearbeitet wird, legen wir in den nachfolgenden Stunden (Sachkunde, Musik, Englisch, Religion, BK und Sport) besonderen Wert auf andere Arbeitsformen, die eine gemeinsame Bearbeitung einfordern.
Wichtig sind uns auch Projektwochen, in denen unsere Schüler in jahrgangsgemischten Gruppen ein Thema selbstständig erarbeiten. Dabei wählen sie ihre Arbeitsmittel weitgehend selbst. Wir Lehrkräfte begleiten die Kinder, geben Tipps und Hilfen. Die Abschlusspräsentation ist ein kleiner Höhepunkte im Schulalltag, bei dem die Eltern willkommene Gäste in der Schule sind.
In den alters- und leistungsgemischten Gruppen lernen die Kinder nicht nur durch den Lehrer, sondern auch voneinander. Wir bieten dadurch den Kindern die Möglichkeit, sich in verschiedenen Rollen auszuprobieren. Ältere Schüler werden zu Experten und Lernhelfern für jüngere. Jüngere Kinder profitieren von deren Kenntnissen und Wissen und erlernen gleichzeitig auch wirkungsvolle Lernmethoden. Durch die Verantwortung, die die älteren für die jüngeren und die leistungsstärkeren für die langsameren Schüler übernehmen, wird das soziale Miteinander gestärkt.

3. Welche Rolle spielen wir Lehrkräfte im Lernprozess unserer Schüler?
In der Arbeitsplanphase geben wir Erwachsenen den Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit, indem wir immer als Ansprechpartner da sind. Wir achten darauf, die Kinder zunächst gewähren und sie Dinge selbst (oder mit einem Mitschüler) herausfinden zu lassen. Wichtig ist uns die verbale Auseinandersetzung über ein Problem mit dem Kind oder der Kinder untereinander. Bei Fragen reagieren wir beratend und geben Anregungen. Wenn ein Kind alleine nicht mehr weiterkommt, zeigen wir Lösungswege auf.

4. Wie begegnen wir der Heterogenität in unseren Klassen?
Die Besonderheiten einzelner Schüler sehen wir als Ausdruck ihrer Individualität, die allesamt wertvoll sind und gefördert werden sollten. Dieser Vielfalt an unterschiedlichen Begabungen können wir nicht gleichschrittig begegnen. Um jedem Kind gerecht werden zu können und es ausreichend zu fördern, ist die Lernform „Arbeitsplan“ für uns die einzige adäquate Lösung.
Die unterschiedlichen Interessen, Lerngeschwindigkeiten oder Konzentrationsphasen unserer Schüler spornen uns an, ihnen zum einen verschiedene Aufgaben und Materialien anzubieten und zum anderen quantitativ differenzierte Anforderungen an sie zu stellen (z.B. Verringern der Aufgabenanzahl im Arbeitsplan). Somit haben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf die nötige Zeit, um in ihrem Tempo zu lernen. Leistungsstarke Kinder arbeiten von Anfang an Aufgaben mit besonderen Anforderungen.
Wir sind uns darüber im Klaren, dass unsere Schüler aufgrund ihrer Begabungen auf unterschiedlichen Niveaus lernen.  Deshalb arbeiten wir mit Kompetenzrastern. Auf einem Arbeitsblatt befindet sich eine Vielzahl an Aufgaben zu einer Kompetenz. Das Kind hat die Möglichkeit eine Kompetenz so lange zu üben, bis es diese beherrscht, um am Ende seine Fähigkeit zu überprüfen. Zeigt die Überprüfung, dass die Kompetenz beherrscht wird, beginnt das Kind an der nächsten Kompetenz zu arbeiten. Noch nicht erfüllte Kompetenzen übt es nochmals ganz gezielt. So entstehen keine Lücken und unsere Schüler haben ein sicheres Fundament, auf dem sie auch in der weiterführenden Schule aufbauen können.
Dadurch erreichen wir eine Förderung bzw. Forderung aller Kinder, den (hoch-) begabten genauso wie den Kindern mit Lernschwierigkeiten.

5. Wie bewerten wir die Leistungen unserer Schüler?
Begabung ist nicht mit Leistung geleichzusetzen. Für uns ist jedes Kind ein begabtes Kind, egal wie schnell es arbeitet oder wie viele Aufgaben es löst. Deshalb legen wir Wert darauf, dass die Lernentwicklung jedes Kindes stärkenorientiert dargestellt wird. Jeder soll rückgemeldet bekommen, dass er etwas kann.
Demzufolge gibt es keine Sanktionen, wenn ein Kind eine falsche Arbeitsweise zeigt (z.B. unkonzentriert ist), am Ende der Woche einen unvollständigen Wochenplan hat oder falsche Arbeitsergebnisse vorweist. Im Gespräch zwischen Lehrkraft und Kind und ggf. auch den Eltern soll stattdessen herausgefunden werden, welche Gründe es dafür gibt. Wichtig ist außerdem, dass umsetzbare Vorsätze gefunden werden, um eine Verbesserung der Situation herzustellen.
Uns ist wichtig, dass die Kinder nicht auf die Bewertung ihrer Leistung durch den Lehrer angewiesen sind. Sie sollen lernen, selbst festzustellen, ob sie etwas verstanden haben und sicher beherrschen oder ob sie noch daran üben müssen. Deshalb reflektiert jedes Kind täglich seine Leistung und notiert in seinem Lerntagebuch, woran und wie es gearbeitet hat. In Feedback-Gesprächen zwischen Schüler und Lehrkraft wird am Ende der Woche über die Arbeitsweise und über gelungene oder nicht so gelungene Arbeitsergebnisse gesprochen. In einer gemeinsamen Absprache wird eine Zielvorgabe für die Arbeit in der kommenden Woche festgelegt.
Klassenarbeiten im herkömmlichen Sinn (alle Kinder schreiben im selben Raum in 45 Minuten denselben Mathematiktest, dasselbe Diktat oder denselben Aufsatz) gibt es bei uns an der Schule nicht. Hat ein Schüler beispielsweise eine Aufgabensammlung beendet, so holt es sich beim Lehrer den Test, der die dazugehörigen Inhalte abfragt. Diesen bearbeitet er dann während der Arbeitsplanphase in seinem Tempo. Diktate und Aufsätze werden regelmäßig von der Lehrkraft eingesammelt und bewertet.
Wir wollen den Kindern ein möglichst lückenfreies Grundwissen und ein sicheres Fundament für das Lernen an den weiterführenden Schulen geben. Deshalb werden die „Klassenarbeiten“ nach der Korrektur gemeinsam mit dem Kind besprochen. Nicht richtig gelöste Aufgaben werden nochmals geübt, bis das Kind sie sicher beherrscht.

6. In welcher Art und Weise reflektieren wir Lehrkräfte unser Tun?
Um unseren Schülern möglichst optimale Lernbedingungen bieten zu können, müssen wir Lehrer auf dem Stand der neuesten pädagogischen Erkenntnisse über Lernen und Verhalten von Kindern sein.  Deshalb bilden wir uns regelmäßig in Fortbildungen weiter.

7. Welche Formen der Zusammenarbeit mit den Eltern pflegen wir?
Für uns sind die Eltern die wichtigsten Partner ihrer Kinder. Deshalb forcieren wir eine intensive und kontinuierliche Elternarbeit. So ist eine schnelle Weichenstellung möglich, wenn ein Kind ein auffälliges Verhalten zeigt und wir gemeinsam Ursachenforschung betreiben („Ist zu Hause momentan etwas anders oder neu?“), es Stofflücken hat (Eltern erhalten Übungsmaterial für zu Hause) oder besonders positive Ergebnisse zeigt.  

 

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